Mid Atlantic BDR


Mit der Mid Atlantic BDR gibt es endlich auch eine Backcountry Discovery Route im Ostteil der Vereinigten Staaten. Bestehend aus neun Etappen, bietet die von Virginia bis New York verlaufende Tour eine abwechslungsreiche Mischung von Schotterwegen und asphaltierten Nebenstrecken.

Klar, in Jersey gibt es die beste Pizza der Welt, aber die Möglichkeiten, im Gelände zu fahren, sind recht begrenzt: Entweder vertreibt einen die Polizei von den Wegen entlang der Hochspannungsleitungen, oder man braust irgendwo über Jimmy Hoffas sterbliche Überreste in den berüchtigten Meadowlands. So oder so, unsere Abenteuer waren immer nur von kurzer Dauer und zogen manchmal rechtliche Konsequenzen nach sich.

30 Jahre später ist das Adventure-Bike-Fahren an der Ostküste noch immer eine Herausforderung. Es gibt keinen Mangel an Enthusiasten, aber unbefestigte Strecken zu finden, auf denen man auch fahren darf, und daraus eine mehrtägige Tour zu bauen, ist sehr mühsam. Und die meisten Fahrer haben dafür weder die Zeit noch die nötigen Kenntnisse.

Deswegen freue ich mich sehr, dass nun die Mid Atlantic BDR (MABDR) offiziell als erste Backcountry Discovery Route an der Ostküste ins Leben gerufen wurde. Ich hatte das Glück, an der Erkundungstour und der Produktion der Film-Dokumentation teilzunehmen. Das Expeditionsteam bestand aus BDR-Vorstandsmitgliedern und Mitarbeitern, dem BDR-Botschafter Jack O’Connor und mir. Dazu kam noch eine professionelle Filmcrew, die von Sterling Noren geleitet wurde. Unser Guide war Vorstandsmitglied Kevin Woody aus Seattle, der unzählige Stunden damit verbracht hatte, diese fantastische Route auszuarbeiten – zusammen mit dem furchtlosen BDR-Streckenwart Rob Watt.

Die MABDR verbindet unbefestigte Pisten, Schotterstrecken und asphaltierte Straßen und schlängelt sich durch abgelegene Gebiete in Virginia, West-Virginia, Maryland und Pennsylvania. Sie beginnt in Damascus, VA, und erstreckt sich dann über 1.080 Meilen, bevor sie in Lawrenceville, PA, an der Staatsgrenze zu New York endet. Sie führte uns über verschlungene Wald- und Landstraßen

durch die Appalachen, durch majestätische Staatsforste, uriges Farmland, durch das Land der Amischen und durch Orte, die in der frühen Geschichte der USA eine ausschlaggebende Rolle spielten.

Die Strecke ist in neun Abschnitte unterteilt, die man jeweils gut innerhalb eines Tages schafft – oder auch mehrere von ihnen, wenn einem danach ist, vor allem in den Sommermonaten, wenn die Tage länger sind.

Die BDR-Veranstalter stellen die Routen so zusammen, dass sie für den durchschnittlichen Dual-Bike-Fahrer auf einer vollbeladenen Reiseenduro gut geeignet sind. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sich der Schwierigkeitsgrad der MABDR von den westlichen Routen etwas unterscheidet. Ich bin ein Durchschnittsfahrer und finde, dass die MABDR-Strecken auf der einfacheren Seite der Skala anzusiedeln sind. Wir hatten auf unserer Expedition ideale Bedingungen und eine bunte Mischung aus Maschinen von 650ern an aufwärts. Ich fuhr eine BMW R 1200 GS LC mit Zega Pro Aluminiumkoffern und neuen Grobstollern; für mich war es das perfekte Bike auf diesem Terrain.

Paul Guillien, BDR-Präsident und CEO bei Touratech USA fuhr eine Honda Africa Twin, ein weiteres exzellentes Bike für unbefestigtes Gelände, das gleichzeitig auch auf kurvenreichem Asphalt zuhause ist. Ein paar Mal hatte ich die Gelegenheit, Paul zu jagen und erhoffte mir dabei ein paar Einblicke in sein Fahrkönnen. Unglücklicherweise war alles, was ich mir dabei einhandelte, eine Windschutzscheibe voller Dreck und ein in sich zusammengefallenes Ego, während er mich hinter sich zurückließ.

Im Prinzip ist die Strecke wie gemacht für Reiseenduros; unbefestigte und befestigte Abschnitte gehen fließend ineinander über, so dass man ständig gefordert ist. Wenn du gerne auf loser Oberfläche driftest, ist das hier deine Strecke! Wenn du hingegen diese Art zu fahren, etwas einschüchternd findest, stehen die Chancen gut, dass du die benötigten Fähigkeiten am Ende der MABDR-Reise gut beherrschst.

Die Mid Atlantic BDR bietet eine tolle Möglichkeit, die amerikanische Geschichte zu erkunden und auf einer Strecke zu fahren, die unglaublich Spaß macht.

Die MABDR ist vom frühen Frühjahr an bis in den späten Herbst befahrbar, abhängig vom Schneefall. Die beste Zeit ist wahrscheinlich von Mai bis Oktober, allerdings kann es während der Sommermonate heiß und schwül werden. Obwohl unsere Expedition Mitte September stattfand, war es noch ziemlich warm, und die Herbstfarben standen kurz davor zu explodieren. Diese Strecke während des Indian Summer zu fahren, muss überwältigend sein.

Wie schon bei den anderen BDRs findet man auch bei der MABDR nur wenige Unterkünfte entlang der Strecke. Wenn man bereit ist, ein bisschen ins Land zu fahren, dann kann man aber durchaus Übernachtungsmöglichkeiten finden – hierbei erweisen sich Reise-Apps als recht hilfreich. Campingmöglichkeiten hingegen finden sich reichlich. Die offiziellen Campingplätze sind auf der BDR-Karte vermerkt, außerdem lassen sich entlang der Strecke auch einfache Campingplätze im Hinterland finden. Da die Anzahl an Motel-Zimmern und Campingplätzen entlang der MABDR begrenzt ist, empfiehlt es sich, diese rechtzeitig zu reservieren.



Auch mit einem so außergewöhnlichen Kartographen in unserem Team wie dem Mitbegründer von Butler Motorcycle Maps, Court Butler, kann man die MABDR ohne GPS nicht bewältigen. Mit all ihren Kurven und Wendungen muss man sich ziemlich in die Strecke hineinzoomen, um nicht versehentlich eine Abzweigung zu verpassen. Auf jeden Fall sollte man die Butler MABDR-Karte mit dabei haben, denn sie bietet eine tolle Übersicht über Strecke und Region und liefert zudem tonnenweise nützliche Informationen und Hilfsmittel.

Ich war überrascht, wie eingeschränkt die Nutzung von Mobiltelefonen auf einem Großteil der Strecke war – viel schlechter als bei den BDRs, die ich zuvor gefahren war. Ich nehme immer ein Satelliten-Ortungsgerät sowie ein Satellitentelefon für unvorhergesehene Notfälle mit.

Ganz wichtig: Verpasse niemals eine Gelegenheit zum Tanken. Dies habe ich während all der Jahre auf meinen Abenteuerfahrten rund um die Welt auf die harte Tour gelernt. Die größte Entfernung zwischen zwei Tankstopps auf der MABDR beträgt zwar nur 115 Meilen, aber wenn du eine Tankstelle verpasst, kann es gut und gerne 100 weitere Meilen bis zur nächsten dauern. Auch wenn dich dieses Ungetüm von einem Neun-Gallonen-Tank (34 l) über diese Distanz bringen kann, habe dennoch stets genügend Sprit an Bord. Es gibt immer jemanden in der Gruppe mit einem kleineren Dual-Bike, dem man aushelfen muss.

DIE BDR-MISSION

Backcountry Discovery Routes ist eine allgemeinnützige Organisation mit dem Zweck, Touren über öffentliche ­Motorradstrecken jenseits der Highways auszuarbeiten und für deren Instandhaltung einzutreten. Damit wird auch ein Beitrag geleistet zum Erhalt unserer Landschaft und zur Förderung der Wirtschaft in ländlichen Regionen.

RIDE RIGHT

Die MABDR ist voll mit kurvigen Strecken und engen Kurven – und ein perfektes Beispiel dafür, warum BDR die Initiative Ride Right entwickelt hat. Dieses Programm schafft ein Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, immer auf der rechten Seite der Straße zu fahren, um das Risiko von Frontalzusammenstößen in unübersichtlichen Kurven und in Situationen mit eingeschränkter Sicht zu reduzieren.

Das einfache Anbringen eines Ride-Right-Aufklebers auf der Innenseite seiner Windschutzscheibe oder an einem anderen gut sichtbaren Platz erinnert einen beim Fahren stets an diese lebensrettende Maßnahme.

SELBER FAHREN

Die kostenlosen GPS-Tracks und sämtliche Hilfsmittel, die zum Planen eines MABDR-Abenteuers benötigt werden, gibt es auf RideBDR.com.

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